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Der Maler mit dem Einkaufswagen

…sein Erscheinungsbild mit langem, grauem Haar und Bart sowie den mit Kajal schwarz umrandeten Augen war ebenso markant wie seine bunte, ohnehin stets ordentlich farbbefleckte Kleidung. Diese gehörte zu seinem Markenzeichen, das er in seinen letzten Lebensjahren zusätzlich mit graffitiähnlichen Kritzeleien – bevorzugt in Neonpink – zu besprühen pflegte…

Geboren in Kassel, flüchtete er mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach Palästina, wo er aufwuchs. Bereits mit sieben Jahren wusste er, dass er Künstler werden wollte, und mit 13 verkaufte er seine ersten Bilder auf den Straßen von Tel Aviv.

1945 bezog er sein erstes Atelier in einer Baracke am Strand von Tel Aviv.

1948 wurde er zum Militärdienst in die israelische Armee eingezogen. Nachdem er sich geweigert hatte, einen Schießbefehl auszuführen, wurde er 1950 „unehrenhaft entlassen“.

Von 1954 bis 1958 studierte M. W. Malerei an der Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv.

Bald darauf kehrte er nach Deutschland zurück, da er nach eigenen Aussagen in Israel weder Frieden fand noch eine Zukunft für sein künstlerisches Schaffen sah: „Wo die Kanonen schießen, ist die Muse tot.“ Seit 1959 lebte und arbeitete M. W. als freischaffender Künstler in Frankfurt am Main. Dort traf er auf eine lange Tradition jüdischer Kultur und fand zugleich eine offene Atmosphäre für seine künstlerische Entfaltung – auch wenn ihm, wie er später erzählte, die erhoffte Fortsetzung seines Studiums an der Städelschule verwehrt blieb, da er bereits eine abgeschlossene Ausbildung mitbrachte.

Bezug Max Weinbergs zu Bockenheim
(aus dem Interview mit seinem Sohn Jonatan Weinberg und seiner Schwiegertochter Ermana Marafini-Weinberg)

Im Café Extrablatt erscheint das Paar gut gelaunt nach einer Zugreise nach Frankfurt. Jonatan Weinberg und Ermana Marafini-Weinberg leben und arbeiten in Rom; in Frankfurt sind sie zu Besuch, um Freundschaften zu pflegen und sich um den Nachlass von Max Weinberg zu kümmern. In naher Zukunft wird hier eine neue Galerie mit seinen Werken eröffnet.

Ermana Marafini-Weinberg, gebürtige Italienerin und Schwiegertochter des Künstlers, betreut als Kuratorin seinen Nachlass. Jonatan spricht mit großem Stolz über seinen Vater und erzählt, dass sich dessen erstes Atelier in Bockenheim befand – direkt hinter dem Westbahnhof, in einem abgerundeten Eckgebäude. Dort, in einem Souterrain mit Ausstellungsraum, empfing Max Weinberg Besucher, übernachtete selbst und beherbergte sogar Gäste aus dem Ausland. Junge spanische Maler bewunderten ihn, suchten den Austausch und lernten von ihm.

In Bockenheim, so berichtet Jonatan, blühte die Seele seines Vaters auf. Täglich war er rund um die Goethe-Universität unterwegs, um mit Studierenden ins Gespräch zu kommen, sich inspirieren zu lassen und künstlerische Ideen auszutauschen. Dort lernte er auch Jonatans Mutter kennen. Das Paar lebte zunächst in einer Studentenwohnung an der Grenze zwischen Bockenheim und dem Westend.

Später, als Jonatan bereits zur Schule ging, zog Max zu seinem Bruder nach Rödelheim. Er verstand sich als pflichtbewusster Vater und wollte mit seinem ganz auf die Kunst ausgerichteten Lebensrhythmus – oft malte er bis vier Uhr morgens – den schulischen Alltag seines Sohnes nicht beeinträchtigen.

Im Gebäude an der Ecke Leipziger Straße / Adalbertstraße, der „Ladengalerie Bockenheim“, fanden in den 1980er-Jahren nicht nur gesellschaftliche Treffen unterschiedlichster Persönlichkeiten aus Kunst und Politik statt; es gab dort auch Ausstellungsmöglichkeiten. In der Adalbertstraße nutzte Max die Copyshops, um Drucke seiner Werke anzufertigen, während er in den Werkstätten der Leipziger Straße seine Bilder rahmen ließ. In einer Apotheke auf der Leipziger Straße ließ er regelmäßig – alle zwei bis drei Tage – seinen Blutdruck messen.

Er war gewissermaßen eine Seele Bockenheims. Später, als „Der Maler mit dem Einkaufswagen“ bekannt, lief er in den frühen 2000er-Jahren häufig zu Fuß von Rödelheim ins Ostend – und legte dabei traditionell eine Pause an der Bockenheimer Warte bei der Goethe-Universität ein.

Besucht auch: https://www.maxweinberg-gallery.com/

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